Wiederinbetriebnahme von Flüchtlingsheimen in Essen geplant

Nachdem die Zahl der AsylbewerberInnen im Bundesgebiet im Vergleich zum Vorjahr um 80% zugenommen hat, rechnet auch die Stadt Essen damit, künftig wieder mehr Flüchtlinge aufnehmen zu müssen. In diesem Zusammenhang wird derzeit die Wiedereröffnung zweier ehemaliger Flüchtlingslager beschlossen. Die Flüchtlingslager, welche in den neunziger Jahren errichtet wurden, sind überwiegend Wohncontainer, die eine Wohnfläche von acht Quadratmetern pro Person besitzen.

Nach einem Artikel in der WAZ beschweren sich bereits jetzt einige zukünftige NachbarInnen eines der beiden alten/neuen Flüchtlingsheime auf der Sartoriusstraße in Essen-Rellinghausen. Nicht zuletzt solche Ausbrüche eines kleinbürgerlichen Rassimus geben Anlass zur Sorge, dass es in Zukunft zu vermehrt rassistisch motivierten Diskussionen über die Aufnahme von Flüchtlinge kommen wird. Dass Flüchtlinge auch jenseits einer persönlichen „Betroffenheit“ von AnwohnerInnen und Anderen als „Problem“ angesehen werden, zeigt sich auch in den Artikeln der WAZ Essen, in welchen jene Flüchtlingsheime ganz unverhohlen als „eine Art Notreserve für schlechtere Zeiten“ bezeichnet werden – da sie nach der faktischen Abschaffung des Asylrechts 1993 überflüssig geworden waren und trotzdem nicht abgerissen wurden. „Schlechte Zeiten“ meint hier allerdings nicht die Situation derjenigen, die aus Not und Verfolgung in Deutschland Asyl suchen, sondern vielmehr die Belastung der Stadt, jene Menschen aufzunehmen, und ihnen Hilfe zukommen zu lassen – die ihnen ohne wenn und aber zustehen sollte. Das Thema gewinnt inzwischen auch durch die Versorgungspläne der Stadt Essen an Brisanz. So sollen die Flüchtlinge nicht mehr wie bisher über ihre eigenen Einkäufe entscheiden dürfen, sondern mit Sachleistungen abgespeist werden. Übrig bleibt ihnen nur ein kümmerliches Taschengeld von 40 Euro pro Monat.

Am letzten Mittwoch demonstrierte Pro Asyl deshalb gegen den diskrimierenden Umgang mit Flüchtlingen in Essen. Auch im Rat gewann das Thema an Fahrt. Für nähere Informationen sei der WAZ Artikel empfohlen.